X Wir verwenden Cookies für die Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie deren Verwendung zu. Details ansehen Wir verwenden Cookies. Wenn Sie weitersurfen stimmen Sie der Nutzung zu. Details ansehen
Artikel erstellt am 28.09.2016

Spaziergang auf Sylt – Teil 8

Dort wo die Danziger Straße in Westerland eine kleine Kurve macht, biegen wir jetzt in den „Peter-Eschels-Weg“ ein, lassen endlich die düstere Geschichte der Nachkriegszeit hinter uns und begegnen dem letzten Walfänger Sylts. Von hier aus führt uns der Weg dann bis zur Straße „Am Seedeich“, der wir kurz rechts und in östlicher Richtung folgen, bevor wir wenige Meter später direkt wieder links und in Richtung Norden in den „Jap-Peter-Hansen-Wai“ einbiegen. Hier begegnen wir einem tüchtigen Seefahrer, der sich vor allem in Westerland einen Namen machte, aber auf der gesamten Insel gleichermaßen bekannt ist.

Der Peter-Eschels-Weg und das Ende des Sylter Walfangs

Peter Eschels entstammte einer bekannten Sylter Familie, die in Westerland heimisch war. Sein Leben war geprägt von Abenteuern, von denen allerdings vor allem die letzte Fahrt, bei der er als Kapitän eines Walfangschiffes nach Grönland fuhr, in Erinnerung geblieben ist. Die glorreichen Tage des Walfangs waren längst vorüber, doch Kapitän Eschels brach eigenen Erzählungen zufolge ein letztes Mal auf, um Jagd auf die Meeresriesen zu machen. Dabei fror sein Schiff im Eis fest, sodass er es zurücklassen und mit seiner Mannschaft den beschwerlichen Fußmarsch auf dem Eis auf sich nehmen mussten.

Nach 22 anstrengenden Tagen begann sich das Eis unter ihnen zu lösen, sodass sie auf einer großen Eisscholle weiterruderten, bis sie auf ein verlassenes Haus stießen. Die Bewohner konnten sie zwar nur noch tot bergen, unweit fand sich jedoch ein stark beschädigtes Schiff, dessen Reparatur sich die Truppe als letzte Hoffnung annahm. Schwer gezeichnet von den Strapazen ihrer Reise machten sie sich an die Arbeit und schafften es schließlich sich nach 47 Tagen halb erfroren in den Hafen der norwegischen Stadt Hammerfest zu retten.

Nach dieser gefährlichen Erfahrung ging Peter Eschel nie mehr auf Walfang, sondern widmete sich fortan dem Handel auf den Weltmeeren, bevor er 1852 vor der englischen Küste kenterte und bereits mit 48 Jahren in der Nordsee sein Grab fand.

Der Jap-Peter-Hansen-Wai – aus dem bewegten Leben eines Seemanns

Der 1767 geborene und 1855 verstorbene Sylter Jap Peter Hansen hinterließ der Insel zwei wertvolle Vermächtnisse: zum einen seinen Sohn, Christian Peter Hansen, der als der bedeutendste Chronist der Insel in die Geschichtsbücher einging. Zum anderen vermachte er der Insel auch das wohl bekannteste Sylter Theaterstück „Der Geizhals“, das noch heute auf den Bühnen der Insel aufgeführt wird.

Dieses verfasste er während seiner langen Jahre auf See. Es handelt von einem wohlhabenden, gleichzeitig jedoch fürchterlich geizigen Bauern. Das Stück wurde im Jahre 1809 in Flensburg als Buch publiziert, im Anschluss in viele friesische Sprachformen übertragen und verbreitete sich wie kaum ein anderes Werk auch in andere Teile Nordfrieslands.

In den insgesamt 15 Jahren, die Jap Peter Hansen auf See war, brachte er es bis zum Steuermann. Kurz bevor er sich als Lehrer und Küster in seiner Heimat in Westerland niederließ, lockte sogar das Angebot als Kapitän eines Handelsschiffes die Weltmeere zu besegeln. Der Legende nach traf der Sylter die schwierige Entscheidung, ob er Kapitän werden oder an Land zurückkehren sollte, mithilfe eines Messerwurfes, bei dem die Waffe nicht in der Wand stecken blieb, sondern auf der Seite zum Liegen kam. So schickte das Schicksal ihn zurück in die Heimat.

Hier erlangte er in seiner 20-jährigen Tätigkeit als Leiter der Navigationsschule, in der er junge Leute zu Seemännern ausbildete und Lehrbücher verfasste, einen hervorragenden Ruf. 1820 siedelte er schließlich nach Keitum über, um dort bis zu seinem Lebensende als Küster zu arbeiten.


Heute haben wir zwei Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, kennengelernt. Welche spannenden Geschichten uns wohl auf dem nächsten Abschnitt unseres virtuellen Spaziergangs erwarten? Wir verraten nur so viel: Wir begegnen einem weiteren großen Mann der Sylter Walfanggeschichte und begeben uns auf eine lange und bedeutende Straße der Insel sowie zu einer etwas kleineren, die uns beinahe schon in den nächsten Sylter Ortsteil führt.

Bis dahin wünschen wir von Travanto allen Sylt-Urlaubern und solchen, die es noch werden wollen, viel Spaß beim Erkunden unserer Lieblingsinsel!


Zum vorherigen Teil

Zum nächsten Teil