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© Murma174 / Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]
Artikel erstellt am 28.11.2015

Oh Du fröhliche - Weihnachten unterm Jöölboom

Was wäre das Weihnachtsfest ohne Christbaum. Eine festlich geschmückte Tanne oder Fichte, die in den Wohnzimmern den Hingucker bildet und wo Familie und Freunde sich versammeln und ihre Geschenke entgegennehmen. Wer die Feiertage auf Sylt verbringt, wird heute natürlich auch eben diese Weihnachtsbäume in den Foyers der Hotels oder in den Geschäften vorfinden. Doch in vielen der gemütlichen Reetdachhäuser findet Weihnachten ganz traditionell unterm Jöölboom statt.


Ohne Nadeln

Der Sylter Weihnachtsbaum hat seine ganz eigene Geschichte: Die Friesischen Inseln weisen keine geschlossenen Bestände an Nadelwäldern auf und auf Grund der schwierigen Transportwege war es einst beinahe unmöglich, sich den Wunsch von einem Nadelbaum im Wohnzimmer zu erfüllen. Anstelle der Fichten, Kiefern oder Tannen trat bereits um 1850 der Jöölboom. Nach der anfänglichen Beliebtheit geriet die Tradition jedoch mehr und mehr in Vergessenheit und erst um 1950 sorgten mehrere Sylter Familien dafür, dass der Jöölboom seine Renaissance erfuhr und heute weithin als Symbol der Sylter Inselweihnacht gilt.


Reich geschmückt

Der Weihnachtsbaum der Friesen besteht aus einem kleinen Holzgestell. Dieses wird von einem kunstvoll geflochtenen Kranz aus grünen Zweigen umrahmt. Ursprünglich wurden die Kränze aus Buchsbaum gebunden. Heute verwendet man hingegen bevorzugt gemischte Koniferen. Innerhalb des Kranzes werden anschließend aus Holz oder Salzteig gefertigte Figuren angebracht. Vielerorts werden die Figuren heute jedoch statt aus Salzteig aus einer speziellen Gießmasse hergestellt, welche kaum zerbricht.

© CdnStar / Wikimedia Commons [gemeinfrei]
Die auch Kenkentjüch genannten Figuren folgen einer bestimmten Symbolik. Ganz unten tummeln sich Adam und Eva nebst Schlange unter dem Baum des Lebens. Darüber befindet sich ein Pferd, welches für Ausdauer und Stärke steht, diesem folgt der Hund als treuer Begleiter und auf der Spitze des Jöölbooms ist der Hahn als Symbol für Wachsamkeit angebracht. Ebenso finden sich an vielen Friesischen Weihnachtsbäumen auch Äpfel oder Backpflaumen und selbst kleine Geschenke lassen sich am Jöölboom anbringen.

Nachdem der Adventskranz für weihnachtliche Stimmung in den Stuben sorgte, wurde es üblich, auch den Jöölboom mit Kerzen zu bestücken. So werden auch am Gestell vier Kerzen befestigt und wie in der Adventszeit üblich, nacheinander entzündet. Meist findet man die Jöölbäume an den Fenstern oder auf den Tischen im Wohnzimmer. Viele Familien stellen zusätzlich einen herkömmlichen Weihnachtsbaum auf. Wieder andere belassen es bei der alten Tradition und lassen sich durch den Jöölboom auf die Weihnachtszeit einstimmen.


Jöölboom selbst gemacht

Für Ute Farenburg von der Sylter Trachtengruppe fängt die Weihnachtszeit bereits Mitte September an. Dann heizt sie den Backofen an und die ersten Figuren für die Jöölbäume entstehen. Beinahe 30 Jahren lang macht sich die Sylterin bereits rund um den Jöölboom verdient. Einst hatte die pensionierte Lehrerin mit ihren Schülern die Bäume im Werkunterricht gebastelt. Heut sorgt sie mit weiteren engagierten Insulanern dafür, dass die Besucher des Morsumer Weihnachtsmarktes sich einen der begehrten Friesenbäume sichern können.

Etwa 50 Jöölbäume werden jedes Jahr angeboten, die Nachfrage ist groß und selbst bis in das bayerische Voralpenland hat der Jöölboom schon seine Reise angetreten. Denn nicht nur Ute Farenburg sieht ihn als authentisch und keineswegs kitschig an. Ein Stück Tradition eben und der ideale Ersatz für einen Weihnachtsbaum.