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Artikel erstellt am 12.05.2016

Spaziergang auf Sylt – Teil 1

Im äußersten Süden der Insel, an der Spitze des Nehrungshakens liegt idyllisch von Strand, Dünen und Wattenmeer umgeben der kleine Urlaubsort Hörnum. Hier beginnt der Spaziergang durch die Straßen Sylts und damit auch unsere neue Blog-Serie. Jede Woche bummeln wir jetzt durch die kleinen und großen Orte der Insel und stellen Sylter Straßen vor, die sich nicht nur landschaftlich betrachtet für einen Spaziergang unbedingt lohnen, sondern hinter deren Namen sich auch spannende Legenden, Erzählungen und Geschichten aus längst vergangenen Tagen verbergen. Dabei können sowohl Inselneulinge etwas dazu lernen als auch alteingesessene Syltfans einen völlig neuen Blickwinkel auf ihre Lieblingsinsel gewinnen. Nichts wie rein in die Wanderschuhe! Fertig? Dann kann’s ja losgehen!

Der Greth-Skrabbel-Wai – Erinnerungen an eine tüchtige Sylter Deern


In ihrem Buch "Der Sylter Hahn" beschreibt die Schriftstellerin Margarete Boie die glückliche Rettung eines Säuglings. Eines Nachts am Strand von Hörnum, so die Legende, fischten die Sylter nach einem Schiffsbruch nicht nur Plündergut, sondern auch eine kleine Wiege aus der tosenden Brandung, in der ein laut schreiendes Findelkind lag. Um 1620 soll es demnach gewesen sein, dass das holländische Schiff zwischen Hörnum und Rantum strandete und nur das Kind in der Wiege den Schiffbruch überlebte.

Einer der Strandgänger brachte das Findelkind der Überlieferung nach zu einem kinderlosen Rantumer Ehepaar, das es aufnahm und wie sein eigenes aufzog. Nach dem Schiffsnamen „Grethje van Amsterdam“ nannten sie das Mädchen fortan „Greth“. In späteren Jahren erwies sich das einstige Findelkind dann als tüchtige Fischerin und wuchs zu einem hübschen Mädchen heran. So kam es, dass ihr viele junge Männer den Hof machten, gegen deren Zudringlichkeiten sie sich jedoch durch heftiges Kratzen wehrte, sodass sie bald den Spitznamen "Greth Skrabbel" bekam.

Ebendiesen Namen trägt heute die circa 1,2 Kilometer lange Straße im Ortskern von Hörnum. Greth Skrabbel heiratete schließlich den Rantumer Jens Jensen, über ihr weiteres Leben ist allerdings wenig bekannt. Umso mehr wissen die Sylter jedoch über ihren Enkelsohn zu berichten: Lorens de Hahn war der tüchtigste aller Sylter Walfänger, aber das ist eine andere Geschichte. Am westlichen Ende des Greth-Skrabbel-Wai geht es nun weiter zu einem anderen Kapitel der Sylter Vergangenheit.

Der Odde-Wai – ein schwindendes Stück Sylter Geschichte


Vom Zentrum des südlichsten Inselortes Hörnum aus zweigt der Odde-Wai ab und zieht sich bis durch die Dünenlandschaft hindurch. Doch die vermeintliche Idylle trügt: Wie lange wird es den Odde-Wai noch geben? Die Nordsee rückt dem Dorf langsam aber sicher bedrohlich nahe und hat die Hörnum-Odde, den Südzipfel Sylts, gerade im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte bedrohlich dahinschmelzen lassen. Dabei kann dieser Teil der Insel auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken.

Lange bevor sich die ersten Menschen in Hörnum ansiedelten, diente die Odde bereits als Schlupfwinkel für Strand- und Seeräuber, ehe sie im 15. Jahrhundert als Ausgangspunkt für den Heringsfang genutzt wurde. Später bauten die ersten Fischer hier bescheidene Hütten, deren Dächer mit Dünenhalmen und Treibholz gedeckt waren. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in den Hörnumer Dünen dann eine Schutzhütte gebaut, in der nicht nur Fischer Unterschlupf fanden, sondern auch Schiffbrüchige ein warmes Bett und etwas zu Essen bekamen. Sogenannte Havarien, wie Schiffbrüche in der Fachsprache oft auch genannt werden, waren seinerzeit an der Tagesordnung und sorgten dafür, dass hier neben Schiffsgut auch der ein oder andere Seemann strandete.

Heute kämpfen Küstenschützer um den Erhalt des Inselendes, das in sturmflutreichen Jahren teils bis zu 20 Meter Ufer verliert, sodass die hiesige urwüchsige Landschaft einem kontinuierlichen Wandel unterliegt. Als "Küstendünengebiet mit pflanzengewachsenen und vegetationsfreien Dünenformationen" bezeichnet, bietet das Naturschutzgebiet Hörnum-Odde mit seinen tief eingeschnittenen, halboffenen Dünentälern und seltenen Sand-Salzwiesen dabei bis heute ein wichtiges Refugium für Flora und Fauna.
In der nächsten Folge unserer Sylter Spaziergang-Serie bleiben wir noch ein bisschen in Hörnum und wandern weiter gen Norden. Dort warten östlich der sagenumwobene Pidder-Lüng-Wai und westlich eine Straße, die rund um die Budersand-Düne eine spannende Geschichte zu erzählen weiß.
Bis dahin wünscht Travanto allen Sylt-Urlaubern eine schöne Zeit und viel Spaß beim Erkunden der Insel!


Zum nächsten Teil