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© Bundesarchiv / Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]
Artikel erstellt am 23.09.2011

Die Nabelschnur zur Insel

Der 1. Juni 1927 ist ein trüber, regnerischer Tag. Dennoch streben Hunderte von Menschen zum Bahnhof in Westerland, denn es naht hoher Besuch. Um 11.10 Uhr erreicht der erste offizielle Zug, der den neu gebauten Damm überquert hat, die Inselmetropole. Würdevoll schreitet Reichspräsident Paul von Hindenburg durch ein Spalier von Sylter Trachtenfrauen, Kriegsveteranen und Honoratioren.

In einer schwarzen, offenen Limousine wird der Gast durch Westerland chauffiert, ehe im Kurhaus gefrühstückt wird. Während seiner Tischrede gibt der Generaldirektor der Reichsbahn dem Bauwerk seinen Namen: “Wir wollen den Damm heute Hindenburg-Damm taufen.” Bereits nach vier Stunden endet Hindenburgs Besuch – im übrigen sein erster und letzter.

Die Anbindung an das Festland hatte die Meinungen auf Sylt gespalten. Die einen befürchteten, der Damm würde die Kultur und Eigenart der Insel zerstören, die anderen erhofften sich Wohlstand und Fortschritt. Beide Parteien sollten Recht behalten. Ab 1924 wurde der neue Damm durchs Watt getrieben – bis zu 1500 Arbeiter waren zeitweise mit dem Bau beschäftigt. Am 15. September 1925 der historische Moment: Um 5.30 Uhr wird der Damm, noch ohne Schienen, vollständig geschlossen. Als erster spaziert der Morsumer Pastor zum Festland und zurück.

Zur Einweihung war die Nabelschnur zur Insel dann komplett fertig gestellt. In der Sohle 50 Meter und im Bereich der Krone elf Meter breit, erhob sich der Damm 6,50 Meter aus dem Watt. 3,2 Millionen Kubikmeter Erdboden, 320.000 Tonnen Basalt und Kies aus Schlesien und dem Rheinland waren verbaut worden. Kostenpunkt: 25 Millionen Reichsmark.

Nach der Eröffnung dampften täglich sechs Schnellzüge binnen fünf Stunden von und nach Hamburg – heute sind es bis zu 120 am Tag. Auch Kraftfahrzeuge wurden bereits in den Anfangszeiten verladen – damals allerdings noch auf an Güterzüge angekoppelte Flachwagen.