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© Nortonius / Wikimedia Commons [CC BY 3.0]
Artikel erstellt am 16.09.2011

Die Fliesen der Friesen

Schon vor Tausenden von Jahren schmückten sie im alten Ägypten Paläste und Grabmäler. Ab dem 16. Jahrhundert hielten sie dann auch in Europa Einzug: Ausgehend von dem kleinen Städtchen Delft in Holland erlebte die Fliese über zwei Jahrhunderte hinweg eine wahre Blütezeit. Sylter Seefahrer, die im 17. Jahrhundert in holländischen Häfen auf Walfangschiffen anheuerten, brachten die Fliesen von ihren Reisen mit. Dabei dienten die Tonscheiben nicht nur als Wandschmuck, sondern erfüllten auch einen ganz praktischen Zweck: Mit Muschelkalk an den Innenmauern verklebt, boten sie einen guten Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit. Fliesen waren ein Teil des Wohlstands, den der Walfang auf die Insel brachte.

Die Tonscheiben gibt es in verschiedenen Farben und Motiven. Vorherrschend ist die Farbe Blau, im 18. Jahrhundert kam zudem ein bräunlicher Farbton in Mode. Die Unikate wurden mit verschiedenen Impressionen wie biblischen Szenen, Segelschiffen oder Blumenornamenten bemalt. Ganze Wände wurden so in den alten Friesenhäusern verziert. “Leider”, notierte 1960 ein Sylter Lehrer, “sind von den schönen alten Fliesenwänden unserer Insel nicht mehr viele vorhanden. Sie sind dem Alter, dem Feuer, dem Abbruch ganzer Häuser zum Opfer gefallen oder von Badegästen aufgekauft worden.”

Auch heute steht der aparte Wandschmuck noch hoch im Kurs. Sylter Fachhändler bieten ihren Kunden sowohl preisgünstige Reproduktionen als auch Originale an, wobei sich der Kaufpreis für ein seltenes Stück schon mal auf hundert Euro und mehr belaufen kann. Selbst aus den USA und Südafrika trafen auf Sylt schon Bestellungen ein.

In einigen der alten Sylter Friesenhäuser sind kostbare Fliesenwände erhalten geblieben. Urlauber können im Heimatmuseum in Keitum eine kleine Sammlung bestaunen, sehenswert ist außerdem die mit Fliesen ausgekleidete Altarwand in der Wenningstedter Friesenkapelle.