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© Roger Rössing / Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]
Artikel erstellt am 14.10.2011

Kein Blick über den Tellerrand

Sylter Frauen standen schon immer ihren Mann: “Eine Weibsperson auf der Insel arbeitet an einem Tage so viel als in manchen Gegenden zwei Tagelöhner”, lobte ein Besucher vom Festland 1782. Und ein anderer Gast sekundierte: “Das Frauenzimmer auf Sylt ist unstreitig das arbeitsamste auf der ganzen Welt.” Doch da die Frauen durch viele Aufgaben sehr an Haus und Hof gebunden waren, hatten sie kaum Zeit und Gelegenheit, Reisen zu unternehmen. Ja, selbst der Besuch im Nachbardorf hatte Seltenheitswert. Eine 95-jährige Westerländerin wusste im Jahr 1947 einem Chronisten von einer Bekannten ihrer Mutter zu erzählen.

Diese hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schifffahrt von Munkmarsch zum zwölf Kilometer entfernten Hoyer unternommen. Dort angekommen, staunte sie überwältigt: “Man soll’s nicht glauben, wie groß die Welt doch ist.”

In Wenningstedt lebte eine Frau mit Namen Sarah Nielsen, geboren 1877. Als Greisin über ihre Ausflüge befragt, erzählte sie: “Im Alter von zehn Jahren habe ich mit meinem Vater und zwei Brüdern eine Fahrt zum Festland unternommen, um Verwandte in der Nähe von Niebüll zu besuchen. Diese Reise ist die einzige meines Lebens geblieben; ich habe die Insel nie wieder verlassen.” Sarah Nielsen ist in ihrem Leben niemals mit der Eisenbahn gefahren; auch nicht mit der Sylter Inselbahn, obwohl deren Schienen keine 300 Meter weit entfernt von ihrem Wohnhaus verliefen.

In Morsum war Christine Johannsen zuhause; sie war 1868 in Keitum geboren worden. Die Frau kam sie nur ein einziges Mal nach List, ein Mal nach Hörnum und ebenso ein Mal nach Rantum, als sie dorthin Schafe zum Gräsen führte. Das Festland aber hat sie Zeit ihres langen Lebens niemals gesehen.