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© Dako99 / Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]
Artikel erstellt am 21.10.2011

Jagd auf den Hering

Der Walfang brachte den Sylter im 17. und 18. Jahrhundert den Wohlstand – zuvor musste sich man notgedrungen mit dem begnügen, was die Nordsee rund um die Insel her gab. Die ersten kollektiven Fischzüge datieren bis in das 15. Jahrhundert zurück, als riesige Heringsschwärme in die flachen Gewässer zogen. Ausgangspunkt für die Ausfahrten war der Südzipfel der Insel Sylt, damals ein unwegsames, unbewohntes Gelände, in das sich nur Schiffbrüchige oder Fischer verirrten. Diese einfachen Fischer waren ungebeugte Menschen, unermüdlich in ihrem Schaffen und auch dem Strandraub nicht abgeneigt, wenn ein Schiff vor der Sylter Südspitze strandete. Ihre Losung lautete: “Frei ist der Fischfang, frei ist die Jagd, frei ist der Strandgang, frei ist die Nacht.”

Am Sylter Südzipfel fanden die Fischer einen von Dünen umsäumten Naturhafen vor. Von hier aus liefen die Boote zum Heringsfang aus, wobei vornehmlich bei Helgoland gefischt wurde. Im Jahre 1513 waren bereits 40 Boote registriert, die Anker lichteten. Im heutigen Hörnum bauten sich die Fischer Hütten, deren Dächer mit Dünenhalmen und Treibholz gedeckt waren.

Für die Insulaner waren es karge Zeiten. “Die Menschen hier sind an Arbeitsamkeit, an Bedürfnislosigkeit und an körperliche Anstrengungen gewöhnt. Sie sind dabei stark, fleißig und sparsam.“ So beschrieb ein Chronist die Verhältnisse. Der Heringsfang war ein wichtiger Teil der Existenzgrundlage; seine Bedeutung dokumentierte sich auch darin, dass dieser Fisch im 15. Jahrhundert zum Wappentier des Sylter Siegels avancierte. Jedoch: Der Heringsfang war kein ungefährlicher Broterwerb – immer wieder forderten Stürme Todesopfer; so ertranken allein im Jahre 1607 vor Hörnum 45 Fischer. Anfang des 17. Jahrhunderts begann der Hörnumer Naturhafen langsam zu versanden. Nun wandten sich die Fischer größeren Aufgaben zu: Die Jagd auf Wale im Eismeer.